Eine Zeitreise

1933
Der "Verein für Volkswohl" wird als Nachfolger des "Vereins für Gemeindewohl" im Vereinsregister eingetragen.

1936
Dem Verein wird die Betreuung des städtischen Kinderheims "Auguste-Förster-Haus" in Fürstenhagen und die städtische "Wander-Arbeitsstätte" übertragen.

1942
Der Verein beschließt, in der von ihm gepachteten Süßmosterei in Fürstenwald Most herzustellen. "Man ging dabei auch von dem Gedanken einer aktiven Trinkerfürsorge aus und beabsichtigte, Grundlagen für eine alkoholfreie Gaststätte zu schaffen ...", heißt es in dem Protokoll der damaligen Mitgliederversammlung.

1946
Kassel und das Land liegen noch in Schutt und Asche, als ein Jahr nach Kriegsende das "Pflegeheim Renthof" eröffnet wird. Dort finden alte, heimatlose und entwurzelte Menschen ein Obdach, zudem werden so genannte Durchreisende oder auch entlassene Strafgefangene verköstigt. "Der Küchenbetrieb bereitet wegen der ungleichen und geringen Zuteilungen Schwierigkeiten", vermerkten die damals Verantwortlichen, "und auch das Fehlen von jeglichen Küchenmaschinen macht sich sehr bemerkbar".

1948
Der Verein wird beauftragt, für die Unterbringung Obdachloser, Nichtsesshafter und Durchreisender zu sorgen. Für diesen Zweck wird der ehemalige Luftschutzbunker am Hauptbahnhof vom Verein angemietet und ausgestattet. "Für gute Reinigung und einwandfreie Desinfektion wird gesorgt, die Küche ist bescheiden", heißt es im damaligen Vereinsbericht.

1951
"Insel im Strudel der Not und Gefahr", überschreibt die Lokalzeitung einen Bericht über den Renthof. "Nur durch den lobenswerten Einsatz aller Mitarbeiter und durch größte Sparmaßnahmen konnten die sozialen Aufgaben des Vereins bewältigt werden", heißt es darin.

1955
"Mit besonderer Freude" vermeldet der Verein, dass die Einrichtung des Renthofs "wesentlich verbessert" und ein "Achtsitzer-VW-Bus für 7.000 DM für den Transport von altersgebrechlichen Menschen" angeschafft werden konnte. Wenig später erhält der Verein die Aufgabe, sich für die Polizeiverwaltung um die Ausnüchterung "Trunksüchtiger" zu kümmern.

1961
Stadtrat a.D. Hans Nitsche, der 1945 zum Vorsitzenden des Vereins gewählt worden war, stirbt. Georg Wündisch, ebenfalls Stadtrat a.D., wird als Nachfolger gewählt.

1963
Im Haus der Jugend wird für 24 junge Menschen mit Behinderungen eine Beschützende Werkstatt als Abteilung des Jugendamtes der Stadt Kassel gegründet. Ein Jahr später zieht die Einrichtung in das neue Haus im Herwigsmühlenweg um; dort stehen über 60 Plätze zur Verfügung.

1970
Während die Welt das historische Treffen zwischen Bundeskanzler Willi Brandt und DDR-Außenminister Willi Stoph auf der Wilhelmshöhe verfolgt, wird die Kasseler Werkstatt im Herwigsmühlenweg auf 80 Plätze erweitert.

1972
Der Verein für Volkswohl übernimmt die Trägerschaft der Kasseler Werkstatt, die wenig später in die Mündener Straße umzieht. 128 Plätze sind bereits belegt, ein Ausbau auf etwa 200 Plätze wird als Entwicklungsziel formuliert.
Gleichzeitig wird am alten Standort Herwigsmühlenweg eine Kindertagesstätte für geistig Behinderte eröffnet. In der Einrichtung seien "alle Voraussetungen für eine erfolgreiche Förderung" gegeben, schreibt die Lokalzeitung.

1974
Das Gesetz zur Sicherung der Eingliederung schwerbehinderter Menschen in Arbeit, Beruf und Gesellschaft (Schwerbehindertengesetz) wird verabschiedet. Zur gleichen Zeit werden in der Kasseler Werkstatt, in der jetztbereits 169 Mitarbeiter beschäftigt sind, die ersten Förderungslehrgänge nach dem Arbeitsförderungsgesetz eingerichtet. Neu ist auch die Einrichtung einer Sondergruppe für schwerst mehrfachbehinderte Jugendliche, aus der sich später die Tagesförderstätte entwickelt. Am Grenzweg 10 wird das Behandlungszentrum für körper- und mehrfachbehinderte Kinder und Jugendliche sowie eine angeschlossene Sonderkindertagesstätte eröffnet.

1975
Menschen mit Behinderungen, die in den Werkstätten beschäftigt sind, werden nunmehr sozialversichert und erwerben somit gesetzliche Ansprüche aus der Kranken- und Rentenversicherung.
Nach dem Tod des Vereinsvorsitzenden Georg Wündisch wird Stadtrat a.D. Walter Heilwagen zum neuen Vorsitzenden gewählt.

1979
"Diese Institution verdient mehr Interesse", titelt die Kasseler Woche einen Bericht über den Tag der Offenen Tür der Kasseler Werkstatt. Denn "was hier von den Behinderten geleistet wird, ist erstaunlich".

1982
Der Erweiterungsbau der Kasseler Werkstatt wird eröffnet - mit 100 neuen Arbeitsplätzen. Insgesamt stehen nun 280 Plätze für Menschen mit Behinderungen zur Verfügung. "Die Behinderten", so wird es in der neuen Werkstatt-Broschüre formuliert, "wollen durch eigene Aktivität aus der sonst vorhanenen 'Isolierung' heraus. Sie verstehen Arbeit, angemessene Tätigkeiten oder Beschäftigung ebenso wie Nichtbehinderte als eine Lebensqualität, die zur inneren Befriedigung, gesellschaftlicher Anerkennung und soweit möglich auch zur Sicherung der wirtschaftlichen Existenzgrundlage bis in den Ruhestand beiträgt".
Die erste Behindertenvertretung wird gewählt.

1988
Gründe zum Feiern: das 25-jährige Jubiläum der Kasseler Werkstatt, die Eröffnung des neuen Gartenbaubereiches in Kaufungen sowie die Gündung des Eltern- und Fördervereins der Kasseler Werkstatt.

1990
Das traditionsreiche "Altenheim Renthof" wird um eine Tagespflege erweitert.

1991
Die Vorbereitungen für die Eröffnung der integrativen Kindertagesstätte sind abgeschlossen, das neue Gebäude wird nach dem früheren Stadtrat "Georg-Wündisch-Haus" benannt. Der damalige Oberbürgermeister Wolfram Bremeier spricht von einem "wesentlichen Beitrag zur Integration".

1994
"Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden." Dieser Satz steht nunmehr auch im Grundgesetz. Gleichzeitig wachsen in Kassel die Pläne für einen Neubau der Kasseler Werkstatt in Waldau. "Neue Arbeitsplätze für Behinderte", titelt die HNA.

1995
Noch ein Fortschritt: Mitarbeiter/innen aus Werkstätten haben erstmals Anspruch auf Erwerbsunfähigkeitsrente.

1997
In der Werner-Heisenberg-Straße wird die Kasseler Werkstatt 2 eröffnet; damit stehen insgesamt 460 Werkstattplätze für Menschen mit Behinderungen zur Verfügung.

1998
Nach über 23-jähriger ehrenamtlicher Tätigkeit legt Stadtrat a.D. Walter Heilwagen sein Amt als Vereinsvorsitzender nieder. Stadträting Ilona Caroli wird zur neuen Vorsitzenden des Vereins gewählt.

1999
Die Kasseler Werkstatt wird erstmals nach DIN EN ISO 9002:1994 zertifiziert.

2003
Es ist das Europäische Jahr für Menschen mit Behinderung: "Teilhabe verwirklichen, Gleichstellung durchsetzen und Selbstbestimmung ermöglichen", heißt der Leitsatz, der den Wunsch nach mehr Normalität für Menschen mit Behinderung ausdrückt
Integration in den "normalen" Arbeitsmarkt ist eines der Hauptziele der neuen Einrichtung des Vereins: der Projob gGmbH, heute Pro Dokument.
Es ist auch das Jahr der Geburtstage: Die Kasseler Werkstatt wird 40 Jahre alt, ihr 40-jähriges Bestehen können auch das Kasseler Studio des Hessischen Rundfunks, das ZDF und die Fußball-Bundesliga feiern.

2004
Das "Haus am Holzmarkt" ist fertig - das neue Domizil für die Tagespflege hilfsbedürftiger Senioren. Auch die Geschäftsstelle des Vereins hat im Neubau ihren Platz. Die Kasseler Werkstatt eröffnet am Standort Werner-Heisenberg-Straße den "Brüder-Grimm-Naturerlebnispfad".
Der Verein stellt seinen Namen auf den Prüfstand und entscheidet sich schließlich für einen neuen, der nicht nur für die Aufgaben, sondern auch für das Netzwerk der inzwischen fünf Einrichtungen stehen soll: Sozialgruppe Kassel e.V.

2005
Das Seniorenzentrum Renthof befindet sich auf dem Weg zum Kompetenzzentrum für demenziell erkrankte Senioren. Es werden geeignete Räume für 2 Hausgemeinschaften umgebaut, die eine wert schätzende Begleitung der Bewohner und Bewohnerinnen fördern.

2006
Inbetriebnahme einer Photovoltaik-Anlage in der Kasseler Werkstatt, Werner-Heisenberg-Straße. In der ökologischen Nutzung erneuerbarer Energie sieht die Sozialgruppe Kassel e.V. eine weitere Entwicklung, die zur Bewirtschaftung unseres Fachbereiches Gartenbau als Bioland-Betrieb passt.
Der neue Arbeitsbereich Gebäudereinigung ergänzt erfolgreich die Angebotsbreite der verschiedenen Dienstleistungen der Kasseler Werkstatt.
Den verschiedenen Facetten der Bildung in der Kasseler Werkstatt nimmt sich das neue Bildungsreferat Pfiffikus an. Es führt im Sinne der Agentur für angepasste Arbeit die verschiedenen Aspekte weit über den Berufsbildungsbereich hinaus zusammen und gibt ihr die notwendige Struktur.

2007
Am 13.02.2007 wurde durch den Kaufvertrag die lange Suche nach einer Alternative für den Fachbereich Gartenbau der Kasseler Werkstatt erfolgreich beendet. 27.251 m² incl. Wirtschaftsgebäude und 3 Gewächshäuser der ehemaligen Lehr- und Versuchsanstalt des Landes Hessen ist in das Eigentum der Sozialgruppe Kassel e.V. übergegangen.
Im Herbst 2007 werden notwendige Umbauarbeiten abgeschlossen sein, und es wird Bestimmungsübergabe gefeiert. Gleichzeitig wird die bisherige Liegenschaft in Kaufungen-Ortsteil Papierfabrik an den Käufer übergeben.

2008
Von der grünen Wiese bis zur Bestimmungsübergabe ist vom 03.03. bis 09.09.2008 in der Werner-Heisenberg-Straße 14c eine neue Werkhalle mit ca. 1800 m² für die Metallverarbeitung fertig gestellt worden. Organisatorisch ist sie ein Teil der KSW 2.
Die Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kasseler Werkstatt wächst auf 500.

2009
Für das Seniorenzentrum Renthof musste eine neue Lösung gefunden werden. In dem 700 Jahre alten Gebäude in der Kasseler Innenstadt zeigten sich durch Gutachter bestätigte Schäden in der Bausubstanz, die mit einem sehr hohen kostenintensiven Sanierungsbedarf verbunden wären. Die Entscheidung fiel zugunsten eines Ersatz-Neubaus, für den am 24.03. ein Grundstück in der Kasseler Unterneustadt erworben wurde. Im 2. Halbjahr erfolgte die Ausschreibung eines europäischen Architekturwettbewerbs. Parallel dazu wurden Anträge auf Förderung beim Hessischen Sozialministerium und beim Deutschen Hilfswerk gestellt. Vom letzteren kam am 30.11. der Bewilligungsbescheid in Höhe von 250.000 €.

2010

Aus dem Architekturwettbewerb für die neue Wohn- und Pflegeeinrichtung in der Unterneustadt wurden drei Preisträger ermittelt; den Zuschlag für die Bauausführung erhielt der 2. Preisträger, das Architekturbüro ARP Architektenpartnerschaft Stuttgart.

Mit Beschluss vom 26.05. der Vorstandssitzung und Mitgliederversammlung des Vereins gab es eine Neustrukturierung der Führungsebene in Form eines hauptamtlichen Vorstands und neu hinzu gekommenen Verwaltungsrats - namentlich:

  • Gerald Reißmann - Vorsitzender des Vorstands (vorher Geschäftsführer)
  • Claudia Benz - Mitglied des Vorstands (Leiterin der Finanzbuchhaltung)
  • Ilona Caroli - Vorsitzende des Verwaltungsrats (vorher Vorsitzende des ehrenamtlichen Vorstands)
  • Dr. Jürgen Barthel - Mitglied des Verwaltungsrats (Sozialdezernent und Stadtkämmerer, Stadt Kassel)
  • Ingo Buchholz - Mitglied des Verwaltungsrats (Vorsitzender des Vorstands, Kasseler Sparkasse
  • Detlev Ruchhöft - Mitglied des Verwaltungsrats (Leiter des Sozialamtes, Stadt Kassel)

Am 22.06. feierte die Tagespflege am Holzmarkt ihr 20-jähriges Jubiläum.

2011

"Grünes Licht" für die neue Wohn- und Pflegeeinrichtung in der Unterneustadt. Am 20.04. kam die Baugenehmigung der Stadt Kassel, am 24.06. der Bewilligungsbescheid des Hessischen Sozialministeriums. Dieser weist eine Fördersumme in Höhe von 1.230.075 € aus. Ein weiterer Betrag in Höhe von 1.234.075 € wird als zins- und kostenfreies Darlehen gewährt.

Mit dem Baubeginn wird im August gerechnet.